Flossing – kleines Gummiband mit großer Wirkung!

Jeder Sportler kennt sie: die (böse) Faszienrolle! Es gibt sie mittlerweile in zahlreichen Farben, Formen und Härtegraden. Doch sie sind nicht die einzige Regenerationsmethode, welche viele positiven Effekte mit sich bringt. „Muscle Flossing“, oder auch einfach „Flossing“ genannt, ist eine Methode, die bisher auf unseren Breitengraden noch eher unbekannt ist – dabei reicht die Geschichte dieser Schnürtechnik zurück in die Zeit der römischen Gladiatoren (Schnürbandagen). 

Was ist „Muscle Flossing“ und wie funktioniert es?

Es handelt sich hierbei um eine lokale und kurzzeitige Abschnürung einzelner Abschnitte von Gelenken, Muskeln und Muskelgruppen der Extremitäten mit einem speziellen Flossband. Ziel ist es, die Beweglichkeit zu verbessern und (akute) Schmerzen zu linden. Das Flossband wird mit einer speziellen Druck- und Wickeltechnik angelegt, wodurch der venöse Rückstrom kurzzeitig minimiert wird und aus dem Gewebe Flüssigkeiten und Stoffwechselendprodukte (Entzündungen, Ablagerungen etc.) abtransportiert bzw. herausgerückt werden – man kann sich das, wie das Auswringen eines Schwammes vorstellen. Ist das Flossband einmal angelegt, so werden aktive und passive Übungen durchgeführt, wodurch der Muskel versucht, Blut zu pumpen – geht in diesem Moment aber nicht. Ätsch! Das Flossband wird nach ein bis fünf Minuten gelöst und der Körper durchblutet die blutarme Region sofort wieder mit neuem und frischem Blut, so als ob ein Staudamm bricht. 

Man spricht beim Flossing auch von einer mechanischen Wirkung, denn die Kompression bewirkt unter passiver und aktiver Mobilisation, dass sich Spannungen und Verhärtungen (Myogelosen) im Gewebe auflösen. Gleichzeitig werden die so genannten Mechanorezeptoren (Sinneszellen) stimuliert, durch welche Schmerzen gelindert werden, so dass bestimmte Bewegungen wieder möglich sind, um den Heilungsprozess und die Regeneration im betroffenen Gewebe oder Gelenk zu fördern.

Hier nochmal alle Fakten kurz aufgelistet:

  • Kompressionswirkung (Schwammeffekt), wodurch Stoffwechselendprodukte aus dem Muskel leichter abtransportiert werden können.
  • Löst fasziale Verklebungen und Muskelverhärtungen.
  • Sorgt für eine bessere Versorgung und Geschmeidigkeit des Gewebes sowie der Gelenke.
  • Verringert Schmerzen und verbessert die Beweglichkeit.
Die richtige Anwendung sowie Kontraindikationen:

Vorsicht! Flossing sollte zunächst nur mit fachmännischer Betreuung (Arzt, Therapeuten, Trainern) angewandt werden, da ein hohes Verletzungsrisiko besteht! Ein nicht korrektes Anbringen des Flossbands führt zudem zu keinem gewünschten Effekt.

Flossing wird ausschließlich an der Extremitäten durchgeführt. Es kann grundsätzlich bei eingeschränkter Beweglichkeit und damit verbundenen Schmerzen angewendet werden, ebenso bei akuter und chronischer Beschwerden der Muskeln, Faszien und Gelenke, sowie stumpfen (Sport-)Verletzungen oder bei Narbengewebe.

Das Flossing sollte nicht angewendet werden bei:

  • Offenen Wunden 
  • Hautverletzungen, Hauterkrankungen
  • Empfindliche, dünne Haut
  • Herzinsuffizienz 
  • Ateriellen Verschlusskrankheiten 
  • Tumoren 
  • Bakteriellen Entzündungen
  • Einnahme von Blutverdünnern (Flossing nur mit ärztlicher Absprache)

Das Flossband wird sehr eng und zur Körpermitte hin um das betroffene Gewebe oder Gelenk mit einer 50% Überlappung gewickelt. Das Band wird, je nach Anwendung, dabei auf 50 – 80 % Dehnung gebracht, wobei sich der stärkste Zug im Bereich der Beschwerden befindet. Nach dem Anlegen beginnt die Mobilisation, entweder durch das isolierte Bewegen des Gewebes oder durch entsprechende Gelenkbewegungen, welche ohne das Flossband zu Schmerzen oder Bewegungseinschränkung geführt haben. Nach ein bis fünf Minuten wird das Flossband wieder abgenommen und die gleichen Bewegungen nochmals ohne durchgeführt – hierbei ist meist schon eine deutliche Verbesserung ersichtlich! Nach einer Pause können weitere Durchgänge durchgeführt werden.

Ist das Flossing schmerzhaft? Es gehört nicht zu den angenehmsten Methoden. Beim Anlegen des Flossbands kommt es zu einem mittelstarken Druckgefühl, welches durchaus unangenehm werden kann. Kommt es zu sehr starken Missempfindungen oder sogar Taubheit, so sollte das Flossband abgenommen und lockerer angebracht werden.

Flossing oder Faszienrolle?

Einer der Hauptvorteile von Flossing gegenüber der Faszienrolle liegt in der funktionellen Bewegung. Es können Übungen durchgeführt werden, welche ohne das Flossband meist nur bedingt und unter Schmerzen möglich wären. Durch die zusätzliche Kompression wird die Regenerations- und Heilungszeit verkürzt und das Gewebe bzw. Gelenk wird kurzzeitig entlastet. 

Nichtsdestotrotz sind Faszienrollen eine großartige Erfindung und für den alltäglichen Gebrauch für Laien deutlich leichter und benutzerfreundlich in der Anwendung. 

Wer vielleicht mit hartnäckigen oder chronischen Beschwerden, wie z.B. Shin Splints, Achillessehnenentzündung, Plantarfasziitis, ITBS u.s.w. zu kämpfen hat, für den ist das Flossing vielleicht eine hilfreiche Methode und auf jeden Fall einen Versuch wert.

Flossing der Wade

KEEP RUNNING!

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